Neue Guerilla in #Mexiko? Erklärung Ejército Popular #Magonista de Liberación Nacional (EPM-LN)

Am Vorabend der Vereidigung des neuen mexikanischen Präsidenten, Enrique Peña Nieto, wurde in Mexiko eine Erklärung veröffentlicht, in der zu einem bewaffneten Kampf aufgerufen wurde. Auf YouTube wurde die Erklärung auch in einem Video vorgelesen. Für diejenigen, die kein Spanisch sprechen, gibt es eine grobe Übersetzung mit der Untertitelung Übersetzungswidget auf YouTube (Die ist in der unteren Taskleiste vom Videoplayer zu finden).

Die Brüder Ricardo (links) und Enrique Flores Magón (rechts) vor dem Los Angeles County Jail, 1917

Die Brüder Ricardo (links) und Enrique Flores Magón (rechts) vor dem Los Angeles County Jail, 1917

Die Gruppe, Ejército Popular Magonista de Liberación Nacional (EPM-LN) kündigte am 30. November an, dass sie nach Jahren als geheime Gruppe im Untergrund nun eine Befreiungsarmee formiert, um Mexiko nach dem Wahlbetrug von Peña Nieto von ihren Unterdrückern zu befreien.

Weiter ruft die EPM-LN in ihrem “Revolutionären Kom­mu­ni­qué Nummer 1”, alle Arbeiter, Bauern, Studenten und die Indigene Bewegung dazu auf, sich den Kampf anzuschließen, um die Ausbeutung in Mexiko zu beenden und der Straflosigkeit der militär-polizeilichen Diktatur ein Ende zu setzen.

Das Kommuniqué wurde unterzeichnet von Comandante Insurgente Damien, Comandante Insurgente Ricardo und Comandante Insurgente Tania.

Der Name der Befreiungsbewegung referiert an die Magon Brüder, insbesondere an Ricardo Flores Magón (16.9.1874 – 22.11.1922). Ricardo Flores Magón war als Journalist, Gewerkschafter und Literat ein führender anarchistischer Theoretiker und Aktivist, der die revolutionäre, mexikanische Bewegung radikal beeinflusste. Magón war Gründer der Partido Liberal Mexicano und Mitglied der Industrial Workers of the World. Er und sein Bruder Enrique Flores Magón, kämpften gegen die Diktatur von Porfirio Diaz.

Philosophisch und politisch orientiert an radikal anarchistischen Idealen und den Erfahrungen Ricardo’s indigenen Vorfahren bei der gemeinschaftlichen Bewirtschaftung des Gemeindelandes, machte er die Forderung “Land und Freiheit” (Tierra y Libertad) populär. Besonders Francisco Villa und Emiliano Zapata griffen die Forderung “Land und Freiheit” auf. Seine Philosophie hatte großen Einfluss auf die Landarbeiter. 1904 floh er in die USA und gründete 1906 die Partido Liberal Mexicano. Im Exil lernte er u.a. Emma Goldman kennen. Er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Gefängnissen und im Exil und wurde 1918 in den USA wegen „Behinderung der Kriegsanstrengungen“ zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Zu seinem Tod gibt es drei verschiedene Theorien. Offiziell starb er an Herzversagen. Librado Rivera, der die Leiche mit eigenen Augen gesehen hat, geht davon aus, das Magón von einem Mitgefangenen erdrosselt wurde. Die staatstreue Gewerkschaftszeitung CROM veröffentlichte 1923 einen Beitrag, nachdem Magón von einem Gefängniswärter erschlagen wurde.

Magón entwarf einen auf indigenen Traditionen beruhenden kollektiven Anarchismus, der das Denken früher Anarchisten mit einschloss. Neben Michael Bakunin und Pierre-Joseph Proudhon sowie Elisée Reclus, Charles Malato, Errico Malatesta, Anselmo Lorenzo, Emma Goldman, Fernando Tarrida del Mármol und Max Stirner, weist sein Denken große Parallelen zu Peter Kropotkin auf. Flores Magón beschäftigte sich ebenso mit den Schriften von Karl Marx und Henrik Ibsen.

Neben der zapatistischen Bewegung in Chiapas beziehen sich heute u. a. der „Indigene Volksrat von Oaxaca – Ricardo Flores Magón“ CIPO-RFM und die „Union der Indigenen Gemeinden der Nordzone des Isthmus“ UCIZONI auf das magonistische Denken.

Walter Hansen schrieb über Ricardo Flores Magón in der Jungen Welt: “Er war einer der Gründerväter der »Liberalen Mexikanischen Partei« und entwickelte sich zu einem führenden Theoretiker und Propagandisten des kollektiven Anarchismus. Anders als Zapata eignete sich Magón nicht zur herrschaftlichen Adaption. Er nahm die Erfahrungswelt indigener Kollektivstrukturen in seine Vorstellung eines libertären Sozialismus auf. Magón sah sich als Antiimperialist und Internationalist zugleich, seine Anhänger, die Magonistas prägten die Parole »Tierra y Libertad«, die erst später von der zapatistischen Bewegung aufgegriffen wurde und bis heute das Programm der meist indigenen Landarbeiter auf den Punkt bringt.”

In einem Interview mit Subcommandante Marcos von der zapatistischen Befreiungsarmee (Ejército Zapatista de Liberación Nacional – EZLN)für quetzal-leipzig.de, sagt Marcos über den Magonismo: “Über die Magón-Brüder spricht man nur im Kontext der Arbeiterbewegung, obwohl wir wissen, dass sie auch viele andere wichtige Projekte entwickelt haben. Aber schließlich ist das unbeabsichtigte Resultat, dass man nur so von ihnen spricht. Wir haben uns auf die Flores-Magón-Brüder bezogen, um den Arbeitern die Notwendigkeit klarzumachen, an der Revolution teilzunehmen, und um auf eine wichtige Kraft hinzuweisen, die während der Zeit vor dem Ausbruch und der Ausbreitung des bewaffneten Kampfes 1910-1921 existierte.[…] Schließlich wurde die EZLN aber ohne eine Verbindung zu den Arbeitern geboren. Vielleicht wäre ein stärkerer Einfluss von Magón nützlich gewesen.”

Video Revolutionäres Kom­mu­ni­qué Nummer 1, Ejército Popular Magonista de Liberación Nacional (EPM-LN) – 30.11.2012

About Enough is Enough!

Its time to revolt!
This entry was posted in Mexiko and tagged . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s