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#ivibleibt #HH #Hamburg: Spontandemo zur IVI-Räumung – Protest-Wochenende 26.4 bis 28.4.

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Am 22.4.2013 versammelten sich ca. 150 – 200 Menschen gegen 20 Uhr auf dem Achidi-John-Platz vor der Flora. Nach einer viertel Stunde wurde ein Transparent enthüllt mit der Aufschrift: “Gegen Polizeigewalt und staatliche Repressionen – Freiräume verteidigen” und los ging’s.

Die Demo bewegte sich erst nach hinten durch den Flora-Park, in die Juliusstraße und dann mit Parolen und etwas Pyrotechnik die Susannenstraße runter. Die Bullen wurden durch diesen Schlenker überrascht und waren damit beschäftigt hinterher zu laufen. Erst in der Bartelsstraße brachten sie eine Polizeikette zustande, die den vorderen Teil der Demo vom Rest abspaltete, aber ansonsten keinerlei Wirkung hatte. Die Leute drehten einfach um, liefen weiter die Susannenstraße runter und bogen am Ende rechts ab in die Schanzenstraße, wo sie erneut mit dem vorderen Teil zusammentrafen. Dann ging es in die Lagerstraße und über ein Firmengelände durch die Unterführung am Schanzenbahnhof in den Schanzenpark. Die Bullen waren weiterhin sichtlich überfordert und konzentrierten sich panisch darauf, das Mövenpick-Hotel abzuriegeln.

An der U-Bahn Schlump ging es dann in den Feierabendverkehr und Baustellen-Absperr-Zeugs wurde zu Straßenverkehrs-Absperr-Zeugs. Nach einigen weiteren Schlenkern landete der Aufzug in der Weidenalle nahe eines kürzlich kurzzeitigt besetzen Hauses, das für einen Neubau abgerissen werden soll. Hier wurde begonnen, eine Baustelle zur Barrikade umzufunktionieren. Als dann die Bullen von beiden Seiten eintrafen, machte sich leider Panik breit. Die Leute flüchteten und wurden so zu Gejagten, wobei sich für 30-40 ein Hinterhof als Sackgasse erwies. Sie wurden eingekesselt und später in Gewahrsam verbracht.

Ärgerlich ist das nicht zuletzt deshalb, weil die Einkesselung durch das panische Weglaufen ein gutes Stück weit hausgemacht war. Mit etwas mehr Ruhe und Entschlossenheit hätten die zahlenmäßig unterlegenen Bullen ohne Probleme umgangen und die Demo fortgesetzt werden können. Leider kommt es in den letzten Jahren viel zu oft zu einer solchen Dynamik und es wird weggelaufen, sobald die Schergen auch nur in die Nähe auftauchen. Wenn wir stattdessen in solchen Situationen geschlossen stehen bleiben/weitergehen, hätten die Bullen ein Problem und ihrer Strategie der Treibjagd würde ein Strich durch die Rechnung gemacht werden. Wir können alleine durch Ruhe und Geschlossenheit ihre Handlungsspielräume einengen und unsere erweitern!

Ausgehend von dem Hinterhof-Kessel gab es dann noch eine Solidemo von solidarischen Menschen für die Eingekesselten und die geräumte Ivi über die Schanzenstraße in Richtung Lerchenwache. Unterwegs flog etwas Gerümpel auf die Straße. Erst auf Höhe Schulterblatt tauchten die Cops auf, stoppten die Leute und bildeten einen weiteren Kessel. Der wurde allerdings panisch wieder aufgelöst als der Rest der Leute unverdrossen weiter zur Lerchenwache ging. Danach zerstreute sich die Menge ohne weitere Gewahrsamnahmen.

Etwa zeitgleich wurde an der Brammerfläche am oberen Ende des Schulterblatts eine weitere Gruppe, die auf dem Gehweg in Richtung Rote Flora unterwegs war, ohne jeglichen Grund verfolgt und knüppelschwingend mit Rufen wie „Wir kriegen euch Schweine!“ über das Gelände gejagt: Die Einsatzfahrzeuge fuhren vorbei, ein Bulle zeigte auf die Leute, die Wagen hielten an und die Bullen sind direkt losgerannt. Einziger Grund war offenbar das Tragen von schwarzen Kapuzenpullis. Nicht gerade eine Seltenheit in der Schanze. Es kam zu sehr gewaltsamen Festnahmen und die Bullen verhielten sich sehr eskalativ gegenüber Passant_innen.

Dieses Verhalten war vermutlich schon mal die Generalprobe für das Protest-Wochenende von 26.4. bis 28.4. mit Demos Aktionen und Kundgebungen gegen die Internationale Gartenausstellung (IGA), für soziale Bewegungen in Griechenland und den Erhalt der bedrohten Esso-Häuser auf dem Kiez. Aber auch insgesamt sind die Übergriffe kein Einzelfall, zuletzt wurde die Vokü im Schanzenpark ohne jeglichen Grund auseinandergekloppt. Offenbar wird zunehmend auf ein eskalierendes Verhalten als Einsatzmittel gesetzt.

Auch hier gilt: Lasst euch nicht einschüchtern, wenn die Bullen euch anschreien, dann schreit zurück! Ihre Eskalation ist keine Verfehlung Einzelner, sondern hat Methode und wird bewusst eingesetzt. Anschreien, Beleidigungen und brutales Verhalten werden als Einsatzmittel unterrichtet, sie sollen einschüchtern. Wenn sie eskalieren, dann eskaliert deshalb zurück. Alles andere wird deren autoritäres Verhalten lediglich befördern. Sie sollen sich ruhig zweimal überlegen, ob ihr angelerntes Gewaltverhalten Erfolg hat und sie es anwenden wollen, oder ob ihnen dies auf Dauer zu stressig ist!

Für die kommenden Tage gibt es in Hamburg jedenfalls ein volles Programm, um aktive Gegenwehr gegen Polizeigewalt und die Verhältnisse auf die Straße zu tragen:

Protest Wochenende 26.-28.4.: TEIL 1
Freitag 26.4.: Kundgebung und Aktionen gegen die IGS-Eröffnung und internationale Bauausstellung ab 15 Uhr am Inselpark in Wilhelmsburg

Protest Wochenende 26.-28.4.: TEIL 2
Samstag 27.4.: Überregionale Demonstration: Solidarität mit den selbstorganisierten Kämpfen in Griechenland und weltweit! 15:00 Uhr Rote Flora

Protest Wochenende 26.-28.4.: TEIL 3
Sonntag 28.4.: Esso-Häuser verteidigen! Räumungen von besetzten Projekten, sozialen Zentren und Mieter_innen überall verhindern! 15:30 Uhr Südkurvenvorplatz am Millerntor. Stadtteil- & Solidaritäts-Demo, anschließend Abschlusskundgebung auf dem Spielbudenplatz mit Megafonaktion des Schwabingrad Balletts und Rahmenprogramm.

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/84300

Siehe auch:

http://enough14.org/2013/04/23/squat-ivibleibt-soli-demo-hamburg-die-polizei-last-lugen-will-einfach-nur-feierabend-und-nimmt-leute-fest/

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#bloodstrawberries #Athen #Exarchia: Aktion gegen “blutige Erdbeeren” auf dem Wochenmarkt

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Auf dem Gemuesemarkt am Wochenende im linken Stadtteil Exarchia in Athen/Griechenland gab es eine Aktion von einer lokalen AnwohnerInnen-Organisation gegen den Verkauf “Blutiger Erdbeeren”. Weil bei Schuessen von Vorarbeitern auf einer seit langem beruechtigten Erdbeer-Plantage der Firma Vaggelatos SA in der Region Manolada auf zahlreiche migrantische Plantagen-ArbeiterInnen geschossen wurde – wegen seit 6 Monaten ausstehenden Loehnen – gibt es verstaerkt Boykottaufrufe. Eine griechische Supermarktkette auf Kreta – Chalkiadakis” – soll laut Zeitungsmeldungen bereits reagiert haben und saemtliche Erdbeeren aus der Region aussortiert und an Obdachloseninitiativen weitergegeben haben.

Am Sonntag brachte die lokale AntwohnerInnen Initiative in Exarchia Aufkleber und Plakate mit einem Boykoytt Aufruf an zahlreichen Gemuese-Staenden an. Ein Haendler, der falsch etikettierte Erdbeeren aus der Region verkaufte beschwerte sich daraufhin lautstark und rief, dass die Schuesse richtig gewesen seien und drueckte ueberraschend seine Sympathie fuer die griechischen Rechten aus.

Daraufhin kippten beherzte AnwohnerInnen seinen Erdbeerstand um.

Solidarische Gruesse an Indymedia Athen, die wieder senden: https://athens.indymedia.org/

Twitter hashtag: #bloodstrawberries

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/84293

http://enough14.org/2013/04/21/bloodstrawberries-griechenland-kundgebungen-und-boykottaufrufe-wegen-schuesse-auf-erdbeer-plantagenarbeiter-in-nea-manolada/

Video: Arbeiter_Innen aus Bangladesh liegen auf dem Boden nachdem sie angeschossen wurden.

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#Squat #ivibleibt Soli-Demo #Hamburg: Die Polizei läßt lügen, will einfach nur Feierabend und nimmt Leute fest

Soli-Aktionen gabe es gestern Abend auch in Kassel.
Soli-Aktionen gabe es gestern Abend auch in Kassel.

In Hamburg fand gestern Abend eine Soli-Demo für das am frühen Morgen in Frankfurt geräumten ivi statt. Hier ein Radio-Beitrag von Freies Sender Kombinat, Hamburg (FSK):

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(Creative-Commons
Nichtkommerziell, Bearbeitung erlaubt, Weitergabe unter gleicher Lizenz erwünscht.)

 

Video 1 Räumung ivi am 22.04.2013:

Video 2 Räumung ivi am 22.04.2013:


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#1mai #Berlin #Kreuzberg: Demonstration “Schnauze voll: Verdrängung stoppen – Zwangsumzüge verhindern! Miet-Streik jetzt!”

1maimietenberlinWie bereits in den letzten zwei Jahren wird es auch dieses Jahr in Berlin am 1. Mai wieder eine unangemeldete Demonstration um 17 Uhr in Kreuzberg geben: gegen Verdrängung, steigende Mieten, Zwangsumzüge, Polizeigewalt & die drohende Räumung von alternativen Projekten wie KVU, Linie 206 und Rummelplatz.

Seit Jahren steigen die Mieten in der Berliner Innenstadt rasant. Auf der einen Seite, bei den Immobilien-Firmen, explodieren die Profite rasant. Auf der anderen Seite stehen hunderttausende Mieterinnen und Mieter, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen; Menschen, die nicht mehr ins Kino gehen oder sogar ihr Essen nicht mehr bezahlen können, weil der Großteil des Einkommens für Miete draufgeht; Hartz IV-Bezieher_innen, wo das Jobcenter die gestiegene Miete nicht mehr übernimmt; Menschen, die den Kiez, in dem sie seit Jahrzehnten wohnen, verlassen müssen, weil hier keine bezahlbaren Wohnungen mehr zu finden sind.

Diese Verdrängung von Menschen mit geringen Einkommen aus der Innenstadt hat mittlerweile sehr große Ausmaße angenommen. Die Politik nimmt diesen Prozess nicht nur hin, sondern unterstützt ihn auch aktiv: durch die Privatisierung hunderttausender ehemals öffentlicher Wohnungen in den letzten Jahren, durch die bewusste “Aufwertung” von bestimmten Stadtteilen, und direkt durch teils massive Polizeieinsätze bei Zwangsräumungen, die mittels heftiger Gewalt von den Eigentümer_innen der Mietshäuser in Berlin durchgesetzt werden.

Betroffen von steigenden Mieten, Verdrängung und Zwangsumzügen vertrauen immer weniger Menschen auf den Staat und die herrschenden Parteien. Dass CDU und FDP eh nur immer die Interessen der Reichen im Blick haben, ist offensichtlich. Dass es hier in Berlin die sogenannte “Linke” war, die zusammen mit der SPD die Privatisierung öffentlicher Wohnungen vorangetrieben haben, haben die Menschen auch nicht vergessen. Und wer erinnert sich nicht, dass es die “Grünen” waren, die mit der Einführung von Hartz IV eine Massenverarmung auf breiter Ebene politisch durchgesetzt haben?

Statt auf den Staat und die herrschenden Parteien zu vertrauen, organisieren sich immer mehr Menschen selbst – und das auch zunehmend mit Erfolg. Mit Blockaden von Nachbar_innen und Aktivist_innen wurden etwa in den letzten Monaten Zwangsräumungen teilweise nur noch mit Hilfe massiver Polizeieinsätze möglich. Und alleine in der zweiten April-Hälfte wurden mindestens zwei konkret geplante Zwangsräumungen in Berlin wieder abgesagt – alleine aufgrund der Ankündigung von Protesten. Diese Entwicklung finden wir super.

Derzeit ist es noch die Regel, dass Mieterhöhungen zur Profitsteigerung von den Eigentümern und Immobilien-Konzernen durchgesetzt werden – mit der Androhung der Räumung durch Polizeigewalt, falls die Miete nicht vollständig und pünktlich gezahlt wird. Gleichzeitig werden Mieterinnen und Mieter mit langjährigen Verträgen häufig schikaniert und bedroht, um sie zum Auszug zu bewegen – und so Platz für lukrative Neuvermietungen, häufig zur doppelten Miete oder mehr, zu schaffen.

Wenn wir es schaffen, Zwangsräumungen gemeinsam effektiv zu verhindern, schaffen wir auch einen Spielraum für Mieterinnen und Mietern, den unverschämten Mietforderungen und regelmässigen Mieterhöhungen der Hausbesitzer und Immobilien-Konzerne entgegen zu treten. Und wenn sich auch nur ein Teil der hunderttausende Menschen in Berlin, die von unverschämten Mietforderungen betroffen sind, für eine gemeinsame Verweigerung, für den Miet-Streik, entscheidet, werden diese Mieterinnen und Mieter eine solche Macht haben, dass auch die hochgerüstete Berliner Polizei ihren Widerstand nicht wird brechen können.

Nicht nur hunderttausende Mieterinnen und Mieter, sondern auch diverse alternative Projekte sind bedroht durch eine Entwicklung, die vor allem auf hohe Renditen aus lukrativen Immobilien setzt: die Hausprojekte “Linienstraße 206” und “Köpi” in Mitte, das langjährige Veranstaltungszentrum “Kirche von Unten” in Prenzlauer Berg, der Wagenplatz “Rummelplatz” in Lichtenberg, das Hausprojekt “Rigaer 94” in Friedrichshain, das politische und soziale Zentrum “Irving Zola Haus” in Kreuzberg, und viele mehr. Und auch diese Projekte sagen, wie viele Mieterinnen und Mieter: “Verdrängung verhindern – Wir bleiben Alle!”

Die Basis für zunehmende Verarmung großer Teile der Bevölkerung sowie für steigende Mieten, explodierende Immobilien-Profite und Verdrängung wird von der Politik und den herrschenden Parteien geschaffen. Umgesetzt wird diese Entwicklung mit tatkräftiger Entwicklung der Berliner Polizei, vor allem auch in Form der besonders gewalttätigen kasernierten sogenannten “Hundertschaften”.

Bei Zwangsräumungen werden Blockaden von Nachbar_innen und Aktivist_innen von der Straße geknüppelt. Erst letzte Woche wurde eine Demonstration wegen des Todes von Rosemarie F – gestorben in einer Notunterkunft zwei Tage nachdem sie mittels eines größeren Polizeieinsatzes zwangsgeräumt wurde – von starken Polizeikräften völlig grundlos mitten auf der Demonstrationsstrecke angegriffen, massiv wurde Pfefferspray eingesetzt, mehrere Demonstranten und Demonstrantinnen wurden festgenommen, ein Demonstrant wurde nicht nur vor seiner Festnahme bewußtlos geprügelt, es wurde ihm auch medizinische Hilfe verweigert.

Wir haben die Schnauze voll von der Berliner Polizei, die versucht, durch permanente und brutale Gewalt den Protest gegen die unsoziale Politik und die steigenden Mieten von der Straße zu knüppeln. Auf unserer Demonstration am 1. Mai wollen wir von diesen Schlägerbanden nichts sehen – weder in Uniform noch verkleidet in zivil.

Um sich etwas gegen die staatlichen bezahlen Schlägerbanden zu schützen – die bekanntermaßen auch keinerlei Probleme damit haben, vor Gericht zu lügen, dass sich Balken biegen – wird ein Schutz gegen Maßnahmen wie das zwar illegale, aber natürlich trotzdem ständig durch die Berliner Polizei durchgeführte Abfilmen von Demonstrationen empfohlen. Als Farben für die 17-Uhr-Demo am 1. Mai in Berlin würden wir etwa grün, pink und rot empfehlen.

Die Demonstration “Schnauze voll: Verdrängung stoppen – Zwangsumzüge verhindern! Miet-Streik jetzt!” am 1. Mai in Berlin wird nicht angemeldet.

Wir sehen überhaupt nicht ein, für unsere Demonstration ausgerechnet bei denjenigen um Erlaubnis zu fragen, die für die derzeitige Entwicklung von explodierenden Mieten, Verdrängung und Zwangsräumungen verantwortlich sind, und gleichzeitig regelmässig ihre polizeilichen Schlägerbanden losschicken, um den sozialen Protest niederzuschlagen – im Sinne des Wortes.

Demonstration “Schnauze voll: Verdrängung stoppen – Zwangsumzüge verhindern! Miet-Streik jetzt!”

Mittwoch, 01.05.13 // 17 Uhr // Mariannenplatz – Feuerwehrbrunnen // Kreuzberg

Quelle: http://de.indymedia.org/2013/04/343729.shtml

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#Squat #ivibleibt #Frankfurt: Bericht zur IvI-Räumung

ivi22a_2Heute in den frühen Morgenstunden umzingelte die Polizei in einem Großaufgebot das IvI, ohne dass ihnen dieses jedoch widerstandlos überlassen wurde. Erst kurz vor 9 Uhr hatten die Bullen die rund 200 Aktivist*innen vorm Haus verdrängt und flexten sich hinein. Anschließend brauchten sie nochmals fast eine Stunde um die letzten Besetzer*innen heraus zu tragen. Heute um 16 Uhr findet an der Galluswarte eine Sponti statt. Morgen findet die Tag X+1 Demo statt (18 Uhr / Hbf). Wir sind traurig, wütend und wollen statt Franconufurt mit Bullen ein, zwei, drei viele neue Häuser!

Heute gegen 7 Uhr begann die Polizei mit mehreren Hundertschaften, Räumfahrzeugen, Feuerwehrwägen, einem kleinen SEK (Sondereinsatzkommando) und fünf LKWs voller Hamburger Gitter, das IvI zu räumen. Bereits gegen viertel vor 5 waren mehrere Einsatzfahrzeuge Richtung Bockenheim/Westend gefahren, blieben dann aber in Seitenstraßen stehen, bis die Polizei ihr Großaufgebot aufgefahren hatte. Die ersten Einsatzfahrzeuge und Hundertschaften konnten für einige Minuten aufgehalten werden, ein LKW blockierte ungewollt zwischenzeitlich die komplette freie Fahrspur.

Dann kamen aber einfach zu viele Bullen um die Straße noch zu halten, so dass sich Aktivist*innen auf den Trottoir und den Kettenhofweg zurück zogen. Dort ließ die Polizei die Menschen auch noch längere Zeit stehen, während sie einen Zaun aus Hamburger Gittern rund ums IvI und über die komplette davor liegende Senckenberganlage errichtete. Zwischenzeitlich kam es zu Auseinandersetzungen als Bauzäune den Einsatzablauf störten, hierbei wurde kurzzeitig eine Person in Gewahrsam genommen, nach Personalienfeststellung aber wieder frei gelassen.

Generell schien die Frankfurter Polizei (wie sie ja bereits im Vorfeld beteuerte) kein Interesse an einer Eskalation zu haben – jedoch war sie doch gerne willfähriger Helfer als die Gerichtsvollzieher gegen 8 Uhr es ihnen ermöglichten das IvI zu räumen. Nach weit mehr als drei Durchsagen fingen die ersten Hundertschaften an die in Ketten stehenden und teilweise von Transpis geschützten Aktivist*innen anzugehen. Mit Schildern, Nierenschlägen, einem Headbut mit Helm und gut gepanzert konnten sie nach einigem Hin und Her die meisten Menschen vorm Haus abdrängen. Dabei zeigte sich, dass es den Bullen gar nicht daran lag die Menschen vorm Haus in Gewahrsam zu nehmen, wie sonst so häufig in Frankfurt, sondern alle außerhalb des Zauns auf die Senckenberganlage ohne Weiteres zu “entlassen”.

Kurz vor 9 Uhr flexten sich die Bullen ins Haus, trafen dort auf alles mögliche an Barrieren und brauchen nochmal fast eine Stunde um die letzten Besetzer*innen heraus zu tragen. Bei diesen wurden ebenfalls “nur” und vorläufig die Personalien festgestellt.

Parallel zu den letzten Raumnahmen der Polizei im ehemalig Institut für vergleichende Irrelevanz, kam es zu einer spontanen und symbolischen Besetzung des fast leer stehenden Uni Gebäudes Flat, gegenüber vom IvI.

Franconofurt-Geschäftsführer Christian Wolf, der sich gar nicht über das “riesige Chaos” in seiner neu eingenommen Immobilie freute, wird diese jetzt erstmal “stilllegen und zumauern” lassen in der Hoffnung das Ruhe einkehrt. Ob das dem Denkmalschutz entspricht und die Fassade nicht zu schaden kommt ist ebenso fragwürdig wie der von Wolf angekündigte Gebäudeschutz, der -so die Hoffnung- bei dem Risikokapital einige Jahre viel zu tun haben wird.

Heute gab es eine Spontandemo mit etwa 350 Menschen.

Morgen, Dienstag den 23.4.2013 startet die überregional angekündigte Tag X+1 Demo gegen 18 Uhr am Kaisersack, Hauptbahnhof Frankfurt.

Bleibt aktiv und stabil – passt auf euch auf! Informiert euch auch weiter über die IvI-Homepage oder aktuell auf twitter

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/en/node/84161

Interview mit dem asta-Vorstand der Uni Frankfurt zur ivi Räumung auf der Website von Radio Dreyeckland jetzt nachzuhören.

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#Squat #ivibleibt #Frankfurt: PM des Institut für vergleichende Irrelevanz vom 22.04.2013

Institutsmitarbeiter_innen verurteilen die polizeiliche Räumung aufs Schärfste!

– Morgen, 23. April 2013, 18 Uhr, Kaisersack/HBF in Frankfurt: Solidemo mit dem ivi frankfurt, für bezahlbaren Wohnraum und Freiräume! Kommt alle! ivi bleibt! –

ivi22aAm frühen morgen des heutigen Montag, gegen 07.30, begann die Räumung des besetzten Institut für vergleichende Irrelevanz. Mit einem Polizeigroßaufgebot wurde die gesamte Senckenberganlage zwischen Bockenheimer Landstraße und Messekreisel abgesperrt, Absperrgitter weitläufig um das Haus im Kettenhofweg 130 gezogen und die ca. 300 Sympathisierenden mit dem Projekt nach und nach vom Gebäude weg gedrängt.

ivi22a_5Die Aktivist_innen hatten bereits Hinweise auf eine heutige Räumung erhalten, um 04.30 morgens versammelten sie sich am IvI, errichteten Barrikaden auf dem Kettenhofweg und der Senckenberganlage und setzten und stellten sich in den Hof und vor den Eingang des IvI, um das Haus zu blockieren. Auch im Haus verblieben einige Aktivist_innen, um das Gebäude passiv zu verteidigen. Bei der Räumung der friedlich auf dem Gelände sitzenden Leute, kam es vereinzelt zu Gewaltausbrüchen von Seiten der Polizei, 3 Verletzte durch brutale Polizisten gab es unter den IvI Unterstützer_innen. Zudem wurde die Räumung von dem Franconofurt Vorsitzenden Christian Wolf beobachtet, der die vor dem Haus Protestierenden gegen ihren Willen abfilmte.

„Das Polizeiaufgebot und das martialische Auftreten der Staatsgewalt ist vollkommen unverhältnismäßig. Dass unsere Arbeit in der Art von der Polizei und Franconofurt kriminalisiert wird, macht uns einfach nur wütend. Für das IvI hätte es eine politische Lösung geben müssen und keine polizeiliche.“, sagt Sarah Schneider. „Von den Kosten, die dieser Polizeieinsatz verursacht, hätten mindestens 2 Jahre die Miete und die Arbeit des Institutes in einem Ersatzobjekt finanziert werden können.“ so Schneider weiter.

Sich von dieser Räumung demotivieren lassen wird sich hier wohl niemand. Die ganze Woche über wird es Aktionen für den Erhalt des unkommerziellen Kultur- und Bildungsprojektes geben. Morgen, am Dienstag, den 23.04.2013, um 18 Uhr wird am Kaisersack die X+1 Demonstration starten, für die das IvI schon seit Monaten wirbt. Am Donnerstag sind parallel zur Stadtverordnetenversammlung, auf der ein Antrag zur Unterstützung des IvI von Piraten, Linken und SPD Fraktion verhandelt werden soll, Aktionen in der Innenstadt geplant.

„Wir werden nicht aufgeben,“ sagt Oliver Sonnenschein, „auch wenn bisher wenig Unterstützung von Seiten der Politik kommt und die Polizei hart gegen neue Besetzungen vorgeht, werden wir nicht aufhören für selbstorganisierte Räume zu kämpfen. Ein Ort wie das IvI ist und bleibt notwendig in dieser Stadt und wir werden so lange weiter besetzen bis wir ein adäquates Ersatzobjekt haben.“

Interview mit dem asta-Vorstand der Uni Frankfurt zur ivi Räumung auf der Website von Radio Dreyeckland jetzt nachzuhören.

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#Euskadi Interview: Hausbesetzung in #Sestao

Besetztes Kultur-Zentrum in Sestao/Baskenland eröffnet

baskenland21aIm September 2011 wurde in Rekalde/Bilbao das 13 Jahre besetzte Sozial-Zentrum KUKUTZA geräumt und abgerissen. Mehrere Versuche schieterten seitdem, neue Zentren zu besetzen und einem breiten Spektrum von Nutzer/innen zugänglich zu machen. Im ehemaligen Industriezentrum Bizkaias, Margen Izquierda (Linkes Ufer) genannt, konkret in der Kleinstadt Sestao, wurde am 20.4.2013 das ehemalige Verwaltungsgebäude einer Stahl-Fabrik als neues Kultur-Zentrum eröffnet. Sechs Monate zuvor war es besetzt und seitdem nach langer Brache und der Entfernung von Tonnen von Müll wieder nutzbar gemacht worden.

BASKINFO-Interview mit Iñaki von der Besetzungs-Versammlung:

F: Es scheint, dass es nach dem brutalen Ende des besetzten KUKUTZA-Sozialzentrums mit dem heute eröffneten TXIRBILENEA ein neues großes selbstverwaltetes Zentrum gibt im Großraum Bilbao.

A: Richtig. Das Ende des KUKUTZA, in dem viele der Besetzer des TXIRBILENEA in den letzten Monaten seiner Existenz beteiligt waren, hat uns Anlass gegeben, über unsere eigene Stadt Sestao nachzudenken. In Sestao fand interessanterweise im Februar 1987 die erste Besetzung in Bizkaia statt, noch vor dem Gaztetxe in Barakaldo und dem großen Gaztetxe in Bilbao, auch vor dem Gaztetxe in Gasteiz, das nunmehr 25 Jahre alt wird.

Wir dachten, wir müssen in Sestao besetzen. Was Sestao von anderen Orten der Umgebung unterschiedet ist, dass es ein Ort mit viel Bewegung ist, Kampf von Arbeiter/innen, von Nachbarschafts-Gruppen, von feministischen Gruppen in den 70er Jahren, sehr aktiv in den Kämpfen der 80er Jahre. Sestao war der Ort mit den meisten Totalverweigerern in ganz Bizkaia. Die Versammlung der Arbeitslosen in Sestao war vorbildlich organisiert. Wir müssen feststellen, dass alle diese Bewegungen in den letzten Jahren etwas brach lagen, aber Leute mit Erfahrungen jener Jahre, und nicht wenige aus jener ersten Besetzung, sind bis heute aktiv. So entstand die Initiative auch aus dem Frust und der Wut nach dem Ende des KUKUTZA und weiterer Besetzungs-Versuche wie im PATAKON in Uribarri, das ein weiterer Versuch war, ein großes besetztes Zentrum in Bilbao zu schaffen. Aber das Rathaus Bilbao hat diesen Versuch nach wenigen Wochen zunichte gemacht.

F: Dennoch Rückenwind vom KUKUTZA?

A: Auf gewisse Art. Erst waren wir hier eine kleine Gruppe, aber Leute mit viel Erfahrung. Im September 2012 hatten wir zwei Treffen und haben schnell beschlossen, hier rein zu gehen. Normalerweise wird von Besetzungs-Büro empfohlen, genau zu schauen, wem gehört das Objekt, wie sind die Bedingungen und so weiter, aber wir haben schnell entschieden. Wir dachten, der Bewegung in Sestao gibt das Auftrieb, daneben gibt es ja noch eine Reihe weiterer besetzter Räume in der Umgebung Margen Izquierda (Linkes Ufer). Vor allem ist es ein Objekt, das von den Räumlichkeiten her nicht limitiert ist, ziemlich groß, ausbaufähig.

F: Die Geschichte des besetzten Gebäudes?

A: Dieses Gebäude war Teil der Fabrik Hochöfen Bizkaia (Altos Hornos de Vizkaya). Hier waren früher die Lehrwerkstätten untergebracht. In den 50er, 60er Jahren wurden die Jugendlichen mit 14 Jahren eingestellt, um Berufe zu lernen. Sie waren zwei Jahre hier, um mit 16 gleich nebenan in der Fabrik zu arbeiten. Hier sind tausende von Lehrlingen durchgelaufen. Die meisten von uns aus Sestao sind Kinder von Einwanderer/innen aus dem spanischen Staat. Gleichzeitig war hier im untersten Stock noch die Krankenstation von Hochöfen Vizkaya, in der Fabrik haben immerhin ca. 15.000 Leute gearbeitet, da gab es ständig irgendwelche Arbeitsunfälle. In den letzten Jahren ist das Gebäude nach und nach etwas verkommen, nachdem Altos Hornos Anfang der 90er Jahre geschlossen wurde.

F: Seit damals stand es leer?

A: Nach dem Ende von Altos Hornos kam das Stahlwerk ACB und später hat sich Arcelor-Mittal aus Indien hier eingekauft. Die haben das Gebäude zwar noch genutzt, aber nur wenig. Der letzte Kalender, die wir gefunden haben, war von 2003. Also nicht so lange her. Das Gebäude besteht aus sechs Stockwerken, mit jeweils 20 Räumen, die Firma hat maximal noch ein Stockwerk genutzt. Dass Gebäude liegt am Hang, der obere Eingang liegt an der Hauptstraße, 15 Meter tiefer fährt die Eisenbahn am unteren Stockwerk vorbei. Richtung Fluss liegt das ehemalige Fabrikgelände, wo sich heute das Stahlwerk Arcelor-Mittal befindet.

F: Von den sechs Stockwerken habt ihr drei besetzt?

A: Ja. Bevor wir besetzt haben wussten wir, dass in den obersten Stockwerken, die auf Höhe der Straße liegen, eine Stiftung ist. Diese Stiftung benutzt die beiden oberen Etagen, dort finden Kurse statt, aber insgesamt wenig Bewegung. Als wir kamen war klar, dass wir die Räume der Stiftung respektieren. Gleichzeitig haben wir schon am ersten Tag der Besetzung beim Rathaus angerufen und dem Bürgermeister gegenüber die Besetzung klar gestellt. Vor allem, um möglichen Besuchen der Stadtpolizei vorzubeugen. “Falls es Anzeigen gibt von irgendwelchen Nachbarn, keine Angst, das sind keine Einbrüche, wir sind Leute und Gruppen aus Sestao, die das Gebäude nach 20 Jahren wieder nutzbar machen wollen“.

F: Also wenig Probleme mit den Institutionen?

A: Mit dem Rathaus gab es bisher kaum Probleme. Allerdings haben wir öffentlich beklagt, dass das Gebäude aufgrund von deren Nachlässigkeit so herunterkommen ist. Zumindest zu seiner minimalen Erhaltung hätten sie was machen müssen. Das gehört zu ihrer Verantwortung. Zwar gehört das Gebäude formal weiter zu Arcelor-Mittal, aber die haben es vor 10 Jahren der Gemeinde zur Nutzung überlassen. Die Gemeinde sagt, sie habe kein Geld, aber das Nötigste hätten sie dennoch veranlassen müssen, um feuchte Wände zu vermeiden, das wäre nicht teuer gewesen. Das fordern wir auch weiterhin, damit sich der Zustand des Gebäudes nicht weiter verschlechtert, die Stiftung hilft uns dabei leider wenig, obwohl es auch für sie von Nutzen wäre. Mit dem Rathaus haben wir abgesprochen, dass wir uns auf die drei unteren Stockwerke beschränken.

F: Wie wollt ihr das Gebäude nutzen?

A: Die unterste Etage wird öffentlichen Charakter haben, Konzerte, Theater. Daneben gibt es einen Raum mit Küche und Speisesaal. Die zweite Etage wird für Veranstaltungen genutzt werden und von Gruppen, die dort ihre Treffen abhalten. In der dortigen Aula können Filme gezeigt werden. In der dritten Etage wird es eine Bibliothek geben, dort wird sich ein Teil des KUKUTZA-Erbes wiederfinden, denn die Bibliothek wurde gerettet. Sestao ist nicht Bilbao, aber der Geist des KUKUTZA lebt. Und bis es in Rekalde oder sonst wo in Bilbao wieder ein neues KUKUTZA gibt, werden die Sachen eben hier verwendet.

Die zweite und dritte Etage werden völlig selbstverwaltet sein. Das TXIRBILENEA ist zwar besetzt, aber es ist kein Gaztetxe, das wollen wir feststellen. Gaztetxes sind Treffpunkte von jungen Leuten. Wir fühlen uns zwar jung, aber viele von uns sind aus einer älteren Generation, viele haben an früheren Besetzungen teilgenommen, manche haben Kinder. Die erste Aktivität nach der Einweihung war bezeichnenderweise für Kinder.

F: Welchen Charakter habt ihr euch für das Zentrum vorgestellt?

A: Das Projekt wird einen inter-generationellen Charakter haben. Die wichtigsten Elemente sind Besetzung und Selbstorganisierung. Wir wollen Freiräume schaffen, in denen wir den Institutionen zeigen können, dass es andere Formen von Kultur gibt. Kostenlos, denn für die Institutionen bedeutet es keine Kosten. Wenn das Rathaus von Sestao nur den ganzen Müll und Schrott weggeschafft hätte, die Tonnen, die wir hier rausgeholt haben, das hätte sie einen schönen Batzen Geld gekostet. Dagegen haben wir gezeigt, dass die Dinge auch anders funktionieren, hier haben Dutzende von Personen mitgeholfen. Die sollen lernen, dass sie uns nur Freiraum lassen müssen, ohne uns reinzureden, und die Leute organisieren ihre Bedürfnisse und Freizeit selbst. Natürlich unter der Voraussetzung, dass wir die Nachbarschaft respektieren, wir sind die ersten, die daran ein Interesse haben. Wir wollen zeigen, dass es anders geht und das stört die im Rathaus natürlich am meisten, davor haben sie Angst. Der Bürgermeister selbst sagte uns, er werde hier keine alternative Macht dulden. Wir wollen für niemand eine Macht sein, wir wollen lediglich zeigen, dass es anders geht, über selbstorganisierte Arbeit und Kultur. Dafür hat Sestao gute Voraussetzungen. Mit ca. 25.000 Einwohner/innen ist der Ort ausreichend groß für ein alternatives Kulturleben und ausreichend klein, damit wir uns alle gegenseitig kennen und um eine gute Zusammenarbeit zu garantieren. Es gab Situationen, wo sich soziale Bewegungen mit dem Rathaus aufgerieben haben, viele von uns haben diese Erfahrung gemacht: der Streit um den Karneval in den 90ern, das Verbot bei der Fiesta Stände aufzustellen … Eines der Fundamente de TXIRBILENEA ist die Akzeptanz der Verschiedenheit der Beteiligten. Hier gibt es Leute aller ideologischen Richtungen, Anarchist/innen, Kommunist/innen, Abertzale, Leute, die sich einfach selbst organisieren wollen, ohne irgendeiner Ideologie anzuhängen. Diese Mischung müssen wir pflegen, in dieser kulturellen und ideologischen Vielfalt liegt unsere Chance.

F: Sestao und die angrenzenden Städte Barakaldo, Portugalete, Santurtzi waren Kern des ehemaligen industriellen Komplexes in Bizkaia. Das ganze “linke Ufer“, wie es hier genannt wird, ist eine sozialdemokratische Hochburg.

A: Richtig, aber seit zwei Legislaturen regiert hier in Ssestao die PNV, die rechten Nationalisten. Die sind in der Minderheit, sie brauchen die Stimmen von Bildu für ihren Haushalt. Ich schätze mal, wenn hier eine Gruppe von Jugendlichen von 18 oder 20 Jahren besetzt hätte, wären sie umgehend geräumt worden. Aus Ratskanälen haben wir erfahren, dass die PNV durchaus gespalten war in der Frage, wie sie mit uns umgehen sollen. Doch der Bürgermeister ist relativ jung und liberal, hat gute Kontakte mit der abertzalen Linken. Bei den Treffen haben wir ihnen gesagt, “wenn ihr uns raus schmeißt, gehen wir wieder rein. Ihr müsstet schon dasselbe machen wie im Fall KUKUTZA: alles abreißen“. Wir haben so viele Rückschläge erfahren, das schafft ein dickes Fell. Sestao ist nicht Bilbao. Was der Bürgermeister von Bilbao mit dem KUKUTZA gemacht hat, das ist in einer großen Stadt möglich, in einer kleinen Stadt wie Sestao ist das schwierig. Sofort hätten sie den halben Ort gegen sich. Es gibt Bürgermeister, denen das egal ist, aber es ist nicht einfach. Wir haben sie überrascht, weil bei der ersten Pressekonferenz nicht nur Leute von der Besetzungs-Versammlung anwesend waren, sondern auch ältere Leute, ein 70jähriger, der auch in der PNV gut bekannt ist, Menschen aus allen Generationen, meine Mutter hat die Einweihungs-Erklärung gelesen. Jetzt müssen sich nur noch andere Gruppen aus dem Ort einklinken, dann kommt das Projekt in Schwung.

F: Ihr hattet schon Besuche aus anderen Ländern?

A: Ja, vor allem aus Deutschland. Die Nachricht geht wohl zurück auf zwei sehr gute Freunde, die wir an dieser Stelle herzlich grüßen wollen. Sie wurden während des Streits um das KUKUTZA verhaftet, hatten einen Prozess – wir haben eine ausgezeichnete Beziehung mit ihnen. Sie haben unser Projekt von Beginn an kennen gelernt und begleitet, ich glaube sogar, bevor wir überhaupt besetzt haben. In der Folge kam eine Reihe von Besuchen. Dazu müssen wir anmerken, dass uns das etwas Kopfzerbrechen bereitet hat, denn das TXIRBILENEA ist kein Haus, in dem Leute wohnen. Es wird ein besetztes Kulturzentrum sein, doch in vielen Momenten ist niemand hier. Insofern ist es nicht leicht, Leute zu beherbergen, die von außerhalb kommen, wenn niemand da ist. Es ist überaus positiv, dass die Nachricht von TXIRBILENEA bereits die Grenzen überschritten hat. Beim Volksessen heute mit ca. 60 Personen hatten wir viele Gäste aus anderen Orten, aus anderen besetzten Räumen. Wir wollen ein Beispiel sein und eine Anregung, dasselbe auch anderswo zu machen. Sicher ist es nicht einfach, in jedem Ort ein Gebäude dieser Dimension zu finden, denn die Spekulation verhindert das häufig. Wir freuen uns über Besuche von überall her, vor allem aus anderen Gaztetxes.

F: Was bedeutet der Name Txirbilenea?

A: Zwei Tage nach der Besetzung hatten wir eine Versammlung mit 50 Personen, bei der wir nach Namen gesucht haben. TXIRBILENEA bedeutet Haus der Metallspäne. Das ist eine historische Erinnerung an die drei Hochöfen hier, nur einer steht noch, gleich vor uns. Da gab es immer eine Menge Rauch, kleine Verbrennungs-Partikel wurden in die Luft geblasen. Wenn es geregnet hat, kamen diese Partikel mit den Regentropfen wieder runter, im Licht sah das aus wie leuchtender Regen. Unser ganzes Leben haben wir diesen Rauch eingeatmet, alle die wir hier sind.

Eine der Ideen dieses Projekt ist es, an die kämpferische Vergangenheit dieser Region zu erinnern, an die Kämpfe der Arbeiter/innen – der Platz im Zentrum wurde früher “Roter Platz“ genannt. Sestao war bekannt für diese Kämpfe, von Seiten der Gewerkschaften und der Nachbarschafts-Vereine, der Stadtteile. Wir sind die Erben jener Kämpfe und jenes industriellen Sestao, heute gibt es viele Arbeitslose. Unsere Stadt hat die höchste Arbeitslosigkeit in ganz Euskal Herria. Dieses Gebäude ist ein Symbol für die Lebensgrundlage vieler Menschen in anderen Zeiten und unter anderen Bedingungen. Die Hochöfen Bizkaia waren einer der größten Fabriken in Euskal Herria und es wird weiter eine Fabrik bleiben, in diesem Fall eine Kulturfabrik, eine Werkstatt der Selbstverwaltung und der sozialen Bewegungen. Das ist die Bedeutung des Namens.

Ich bin keine 100 Meter von hier aufgewachsen. Besser als wenige weiß ich was es hieß, tagsüber die Wäsche aufzuhängen, denn in den Nacht war sie grau von den Abgasen. Wir wollen den Ursprung dieses Gebäudes nicht in Vergessenheit geraten lassen. In dieser Fabrik haben viele unserer Väter gearbeitet, Mütter weniger, denn die meisten Arbeitenden waren Männer. Wir sind die Erben dieser industriellen Geschichte.

F: Herzlichen Dank, Iñaki, wir bleiben in Kontakt!

Video von der Hausbesetzung in #Sestao:

Fotoserie: Txirbilenea Sestao:

http://baskinfo.blogspot.com.es/2013/04/txirbilenea-sestao.html